Der Ritt
Der Ritt
Herzlich Willkommen...
Herzlich Willkommen...

Ich wünsche Ihnen....

Liebe Gladenbacherinnen und Gladenbacher,
liebe Freunde und Bekannte,

 

heute wird das mal eine außergewöhnlich und ausführliche Betrachtung des abgelaufenen Jahres 2020. Und es gäbe noch sooo viel mehr zu sagen.

 

Das Jahr 2020, ein außergewöhnliches Jahr, neigt sich so langsam dem Ende entgegen. Und es stellt sich nicht nur heute, wenn ich auf das Jahr zurückblicke, die Frage: Wer hätte das alles gedacht oder prophezeit? Wohl niemand, oder?


Ich werde in 2021 einen runden Geburtstag - und zwar fünf Zwölftel eines Gros an Jahren (das war jetzt eine Rechenaufgabe) - feiern. Aber abgesehen davon, dass ich heute noch nicht weiß, ob ich überhaupt eine Feier planen und durchführen kann: Ich hätte in all den Jahren meines bisherigen Lebens nicht mal im Traum daran gedacht, dass es mal, durch ein Virus bedingt, dazu kommen könnte, dass man sich nicht mehr einfach so gemeinsam mit Menschen treffen kann, dass keine Gottesdienste mehr gefeiert werden können, dass Wandern zwischen den Jahren in einer Gruppe aus diversen Hausständen nicht mehr möglich ist, dass ein sonst mit guten Freunden gefeiertes Überschreiten der Jahresgrenze an Silvester nicht mehr zulässig ist, dass ein Mund-Nasen-Schutz wie ein Hemd und eine Hose auch zur Alltagsbekleidung (oder besser gesagt Alltagsbegleitung) gehört, dass die mehr oder weniger vorhandene Angst vor einer Infektion mit dem Virus uns alle irgendwie bremst oder gar lähmt (auch die Wirtschaft), dass ich nicht mal in ein Lokal zum Essen gehen oder in ein Cafe gehen kann – es ist ein Wahnsinn… Aber die Angst ist natürlich auch nicht unbegründet – aus meinem Bekanntenkreis sind mindestens 2 Personen unter den bisherigen Covid-19-Todesopfern und ich kenne einige Menschen, die die Infektion teilweise mit erheblichen, schweren Krankheitsbildern durchlebt haben. An diejenigen und an die Angehörigen sollten wir auch immer denken. Und gerade jetzt, in dieser Zeit, sollten wir das tun.

2020 ist ein schwieriges Jahr gewesen, vielfach ein seltsames Jahr und außergewöhnlich, ich sagte es bereits, sowieso. Am Anfang des außergewöhnlichen Jahres hatte kaum jemand einen Gedanken an eine Pandemie verschwendet. Wahrscheinlich musste der eine oder andere erst einmal googlen, was das Wort „Pandemie“ überhaupt bedeutet. Oder „exponentielles Wachstum“, das es zu vermeiden galt. Heute schon wieder mehr als im Frühjahr.

Dabei begann das Jahr so gut.  Ganz am Anfang des Monats März hatten wir in Gladenbach noch eine außergewöhnliche und lange im Voraus geplante Musikveranstaltung im Haus des Gastes durchgeführt: „Music is our first love“. Danach ging es dann in großen Sprüngen schnell in Richtung des ersten Lockdowns. Außergewöhnlich auch, was da so alles folgte. Ab Mitte März wurde das öffentliche Leben durch Allgemeinverfügungen und immer strenger formulierte und gefasste Verordnungen nach und nach immer weiter heruntergefahren. Geschäfte mussten von heute auf morgen geschlossen werden, der Dienstbetrieb im Rathaus wurde stark eingeschränkt, Gruppen wurden gebildet, damit im Falle einer Infektion der Notbetrieb der Verwaltung immer noch gewährleistet wurde. Außergewöhnlich auch, dass Gremiensitzungen wegen der Pandemie abgesagt werden mussten. Es gab von heute auf morgen neue Gesetze, die einen Ausschuss mit nie gekannter Macht ausstatteten, es wurden andere Gesetze außer Kraft gesetzt, damit das öffentliche Leben nicht komplett auf Null gefahren werden musste oder alles Leben still stand . Auch außergewöhnlich, das Kitas und Schulen geschlossen waren und nur im Notbetrieb geöffnet hatten, das Eltern „systemrelavanter Berufsgruppen“ die Notbetreuung in Anspruch nehmen konnten, andere jedoch nicht. „Homeschooling“ war und ist auch so ein außergewöhnliches und neues Wort und bedeutet für die Schülerinnen und Schüler außergewöhnliches Lernen, für die Lehrer ein außergewöhnliches Lehren. Außergewöhnlich, dass die am 26. April terminierte Bürgermeisterwahl – aber nicht nur in Gladenbach - nicht durchgeführt werden konnte und ganz kurzfristig auf den Herbst verschoben wurde.  Mit auch finanziellen Auswirkungen für die Kandidaten: Bereits erstelltes Werbematerial und Plakate und Flyer konnten in die Mülltonne wandern. Viel schlimmer traf es aber die Wirtschaft mit all den Auswirkungen der Pandemie. Aber auch die Verwaltungen. Denn Arbeiten und beschlossene Pläne konnten nicht wie geplant umgesetzt werden. Weder im beruflichen, im gesellschaftlichen noch im privaten Bereich. Außergewöhnlich z.B., dass nach über 185 Jahren kein Kirschenmarkt in Gladenbach stattfinden konnte. Und vielleicht sogar auch in 2021 noch nicht stattfinden kann. Großveranstaltungen waren und sind verboten. Erstmalig und damit auch außergewöhnlich, dass eine Kirschenkönigin eine zweite Amtszeit, und das auch ohne Wahl, ein zweites Jahr regieren kann. Aber Sophia I. macht das auch wirklich prima. Außergewöhnlich, dass im Schnelldurchgang und ohne Komplikationen Hilfspakete für die Wirtschaft und die Bevölkerung zur Verfügung gestellt wurden. Ohne große Diskussionen in den politischen Gremien. Aber natürlich muss man dazu auch wissen: Alles  an Hilfen geschieht im Moment mit geliehenem Geld, was irgendwann und von irgendwem auch wieder zurückgezahlt werden muss. Außergewöhnlich war das Jahr auch für das Wild in den Wäldern: So viele Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer in den Wäldern gab’s noch nie.

Nachdem der Frühsommer begann, die Menschen sich vermehrt im Freien aufhielten, gingen die Neuinfektionen zahlenmäßig  langsam wieder zurück, und es begannen auch nach und nach Lockerungen der Verordnungen das Leben wieder etwas normaler zu gestalten. Die Bäder durften ab 15. Juni wieder öffnen, nachdem sie 3 Monate geschlossen haben mussten.  An Urlaube in fremden Ländern war aber eigentlich nicht zu denken. Alles außergewöhnlich. Und da der von vielen Menschen ersehnte Impfstoff, von dem sich viele Hilfe und ein Ende der Pandemie versprechen, nicht so schnell kommen kann, hatten wir im Sommer schon arge Befürchtungen: Wie soll das denn dann im Herbst und Winter alles so werden?? Das erfahren wir nun gerade. Und wir müssen erkennen, dass die Situation im beginnenden Frühjahr dagegen noch vergleichsweise harmlos war. Ich persönlich glaube, es ist vor dem Frühjahr 2021 nicht mehr zu erwarten, dass sich die Situation in erheblichem Maß entspannen wird. Bis dahin werden wir mit erheblichen Einschränkungen leben müssen. Die Impfungen können nicht in der Kürzte der Zeit und nicht für alle gleichzeitig durchgeführt werden, und ob diese die Erwartungen vollumfänglich erfüllen werden, das wird erst die Zukunft zeigen.

Ein Teil der Zukunft beginnt in wenigen Tagen, das Jahr 2021 steht vor der Tür. Und wir sollten trotz allem mit einer entsprechenden Portion Optimismus in die Zukunft blicken. Denn vielleicht hat Corona ja auch etwas Gutes für uns gehabt. Ich hoffe, wir alle sind dadurch etwas stärker geworden. Ich hoffe, der Zusammenhalt ist etwas besser geworden. Das nicht mehr jeder nur noch an sich selbst denkt und die Ellbogenmentalität nachlässt. Ich habe die Hoffnung, dass wieder mehr Demut und Dankbarkeit wieder füreinander empfunden werden. Dass Zuversicht und Hoffnung die Zukunft beeinflussen werden.  

Meine „Botschaft“, oder besser gesagt „meine Bitte“ an Sie alle lautet daher: Lasst uns die verordneten Sicherheitsmaßnahmen und Beschränkungen konsequent beachten, damit die Zahlen der Neuinfektionen zurückgehen. Nur so können wir es irgendwie schaffen, das Frühjahr, ohne viel zu viele Intensivpatienten oder viel zu viele Covid-19-Tote, zu erreichen. Halten wir uns nicht daran, wird es uns vielleicht ähnlich ergehen, wie im Frühjahr in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern. Mit Schrecken erinnere ich mich an die Bilder aus Bergamo in Italien. Oder aus Spanien oder aus Frankreich. Es kann aber nicht alles, was verordnet wird, immer kontrolliert werden. Soviel Überwachung und Kontrolle kann gar nicht geleistet werden. Das wollen wir auch gar nicht. Muss das denn wirklich sein, dass immer wieder, von jung aber auch von alt, versucht wird, die Verordnungen heimlich zu umgehen? Werde ich dabei erwischt? Was soll da?? Wem dient man damit, wenn z.B. einer bei den „konspirativen“ Treffen in der Kellerbar oder sonst wo mit dem Virus infiziert war und der die Covid-19-Krankheit dann an alle weitergibt? Ohne vielleicht zu wissen, dass er von der heimtückischen Krankheit befallen ist? Und dann die Familien derer wieder infiziert werden. Lasst das bitte, bitte sein. Kontaktbeschränkungen ist ein Muss!

Nun zu meinen Wünschen für Sie.

Ich wünsche Ihnen für die Zukunft diese Hoffnung und diese Zuversicht, dass wir die Pandemie hinter uns lassen, dass wir das alles gemeinsam irgendwie schaffen. Wie die Bundeskanzlerin mal in anderem Zusammenhang gesagt hat: Wir schaffen das!
Und ich wünsche Ihnen wenigstens ein paar gute und echte Freunde – nichts ist wichtiger. Freunde, die das geben oder die das sind, was man braucht, wenn es einem Mal nicht so gut geht oder man völlig orientierungslos geworden ist. Daher wünsche ich Ihnen

  • eine Hand, die Sie immer dann festhält, wenn Sie glauben, der Boden würde Ihnen unter den Füßen weggezogen, oder wenn es mal sehr stürmisch und wackelig wird,
  • ein Netz, das Sie dann auffängt, wenn Sie am Fallen sind,
  • ein Schild, dass Ihnen den Weg zeigt und die Richtung weist, wenn Sie mal nicht mehr weiß, wie es oder wo es weitergeht.

Die Freunde aus den sogenannten sozialen Netzwerken sind das sicherlich nicht. Meistens jedenfalls nicht. Die sind dann eben nicht da, wenn man sie braucht. Darunter sind auch vielfach falsche „Freunde“, die einem beim Gespräch noch ins Gesicht lächeln und, nachdem man sich umgedreht hat, vielleicht sogar den ausgestreckten Mittelfinger zeigen und/oder unter die Gürtellinie treten. DIE braucht man nicht.

 

Ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft – vor allem aber wünsche ich Ihnen Gesundheit und Zufriedenheit. Ich freue mich, mit Ihnen den Weg in das kommende Jahr 2021 gemeinsam zu gehen.

 

 

Ihr

Peter Kremer
Bürgermeister Stadt Gladenbach

 

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© Peter Kremer, Gladenbach 2021