Ich sitze gerade mal wieder mal bei einer guten Tasse Kaffee und mache mir so meine privaten Gedanken über...
ja, 5 Jahre sind schon wieder vorbei - die nächste Kommunalwahl findet am Sonntag den 15. März 2026 statt. Hier werden die Ortsbeiräte (bis auf Bellnhausen, dort hat es keine
Liste gegeben) der Gladenbacher Stadtteile, die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Gladenbach und auch der Kreistag des Landkreises Marburg-Biedenkopf gewählt. Indirekt findet
auch eine Neu- oder Wiederbesetzung des Magistrates der Stadt Gladenbach statt. Und auch die Größe des Magistrates wird indirekt durch die Ergebnisse bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung
getroffen. Wie und ob und wer hier vertreten sein wird, dass wird sich allerdings erst nach der Wahl am 15. März konkretisieren. Hier kommt es auf das Wahlergebnis an, auf mögliche Fraktionen und wer
wie stark im Magistrat vertreten sein kann. Das wird spannend werden.
Wer auf den einzelnen Listen der Parteien und Wählergruppierungen in Gladenbach steht und wie kumuliert und panaschiert gewählt werden kann, das kann man auf der Website der Stadt Gladenbach
nachlesen. Informationen dazu gibt's hier.
Vielleicht hat der eine oder andere auch schon per Briefwahl gewählt? Die Resonanz zu Hause mit entsprechender Zeit für die konkrete Auswahl von Personen zu bestimmen, ist schon jetzt wieder
riesengroß. Und das finde ich auch gut. Ein Listenkreuz ist zwar einfach und schnell gemacht - doch wähle ich damit tatsächlich auch meine persönlichen Favoriten und Vertreter in der
Kommunalpolitik? Unser Wahlsystem schafft hier eine prima Möglichkeit das zu verwirklichen- das Kumulieren und Panaschieren. Und was ist das genau? Kurz gesagt:
Beim Kumulieren oder Häufeln kann ein Wähler einem Bewerber mehrere Stimmen geben - höchstens jedoch drei.
Von Panaschieren ist die Rede, wenn der Wähler seine Stimmen auf die Bewerber verschiedener Listen verteilt.
Sie können Ihre Stimmen einzeln an beliebige Bewerberinnen und Bewerber vergeben. Dabei dürfen Sie auch Personen aus verschiedenen Wahlvorschlägen (Listen) auswählen; das nennt man "Panaschieren". Jeder Bewerberin und jedem Bewerber Ihrer Wahl können Sie von Ihren Stimmen eine oder auch zwei, aber höchstens drei Stimmen geben; das Anhäufen von zwei oder drei Stimmen auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten nenn man "Kumulieren". Beides können Sie auch gleichzeitig nutzen. Achten Sie aber unbedingt darauf, dass Sie hierbei Ihre Gesamtstimmenzahl nicht überschreiten.
Ich habe auch bereits gewählt und die Möglichkeiten von Kumulieren und Panaschieren genutzt.
So im Laufe der letzten Jahre habe ich ja festgestellt, wer mir politisch nahe steht und wer unterstützt oder wer politisch-gedanklich weiter entfernt von mir ist, wer meine Vorschläge unterstützt
oder wer da mehr auf Kontra geht. Auch wer die Personalpolitik von mir voll unterstützt und wer nicht, wer ehrlich ist oder man das Gefühl hat, es mit der Ehrlichkeit nicht ganz so genau zu
nehmen, mehr taktiert oder täuscht. Hat ja immer viel mit Fingerspitzengefühl zu tun. Und man muss auch etwas zwischen den Zeilen lesen können. Und erkennen können, ob gemeinschaftliche oder doch
mehr die eigenen Interessen in den Vordergrund gerückt werden. All das habe ich bei meinem aktuellen Wahlverhalten versucht zu berücksichtigen.
Das empfehle ich auch Ihnen. Aber vor allem: Gehen Sie wählen, machen Sie unbedingt von der Möglichkeit Gebrauch, Ihre Stimmen abzugeben. An der Wahl nicht teuilzunehmen ist keine Alternative.
Noch zum Schluss: Natürlich können Sie auch Kandidaten streichen, Einzelpersonen besonders berücksichtigen und trotzdem einer Liste ihr Kreuzchen zu geben. Da ist echt viel möglich. Informieren Sie sich unbedingt, wenn sie nicht ganz sicher dabei sind. Oder fragen Sie mich einfach mal, wenn Sie mich sehen.
Mehr Informationen zum Wahlsystem gibt's aber auch auf der Infoseite des Landes Hessen.
Gladenbach, 25. Februar 2026
Ja, über diese Frage mache ich mir inzwischen auch meine Gedanken: Wer wird ab dem 1. März 2027 in Zimmer 206 sitzen und die Verwaltung der Stadt Gladenbach führen?
Ganz gleich, wer es am Ende sein wird – einige Namen werden ja bereits hinter vorgehaltener Hand genannt – ich hoffe sehr, dass diese Person ein
glückliches Händchen hat und vor allem die Unterstützung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfährt. Mein Vorgänger Klaus-Dieter Knierim hat einmal, eine Woche vor
dem Ende seiner Amtszeit im September 2014, in einem Interview gesagt: „Ohne Team ist man als Bürgermeister gar nichts. Ein Universalgenie gibt es nicht.“
Diese Aussage kann ich nach über elf Dienstjahren nur ausdrücklich unterstreichen.
Führen heißt eben nicht, allein voranzugehen. Auch wenn man als Spielführer oder Kapitän gewählt wurde, muss man Teil der Mannschaft sein und sich in das bestehende Team einfügen. Man muss auf dasselbe Spielfeld gehen. Ein Team wird nur dann mit voller Kraft und vollem Einsatz unterstützen, wenn es spürt, dass auch derjenige an der Spitze ein Teamplayer ist. Es geht tatsächlich nur gemeinsam.
Natürlich darf man in einer kommunalen Verwaltung Loyalität erwarten – eigentlich versteht sich das von selbst. Ich sage bewusst „eigentlich“, weil ich leider auch schon andere Erfahrungen machen musste. Das ist schmerzhaft: wenn man Vertrauen in einen Menschen setzt und dann bitter enttäuscht wird. Diese Erfahrung kennt vermutlich jeder aus seinem Leben; sie ist nicht auf Verwaltungen beschränkt. Das Gefühl der Enttäuschung ist überall dasselbe.
Wer auch immer ab März 2027 in Zimmer 206 Platz nehmen wird, eines kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Die Vorstellung vom
Bürgermeisteramt, die man als ehrenamtlicher Stadtverordneter hat, deckt sich nicht mit der Realität, die man später vorfindet.
Oder, um es mit einem Bild aus der Wirtschaft zu sagen: Es ist ein Unterschied, ob man vor oder hinter dem Verkaufstresen steht. Die Interessen sind schlicht verschieden. Der Kunde möchte möglichst
günstig das Beste bekommen – idealerweise kostenlos. Der Unternehmer hingegen muss zumindest kostendeckend arbeiten. Beides lässt sich nicht immer zum gleichen Preis vereinbaren. Aber ich will nicht
vorgreifen: Diese Erfahrungen muss jeder selbst machen. Und manchmal sind sie, wie gesagt, schmerzhaft.
Trotz aller eingefangenen Nackenschläge hat mir diese Zeit jedoch oft auch große Freude bereitet und mein Leben sehr bereichert. Vor allem durch die vielen positiven, liebenswerten Menschen, die ich kennenlernen durfte. Auf diese Erfahrungen möchte ich nicht verzichten.
Ob ich mich allerdings mit all den Erkenntnissen von heute im Jahr 2014 noch einmal zur Wahl gestellt hätte (diese Frage bekomme ich oft gestellt) – diese Frage lasse ich bewusst unbeantwortet.
Gladenbach, 25. Februar 2026